Logo des Münchner Aufrufs Aufstehen für den Frieden - Kein Krieg gegen Iran

EMPFEHLUNGEN

Michael Lüders Iran: der falsche Krieg 2012 C.H.Beck 176 Seiten, broschiert €[D] 14,95 ISBN-13: 978-3406640261

Iran-Dossier der Kooperation für den Frieden Dossier 1 und Aktualisierung (2012)

Bahman Nirumand: Iran Israel Krieg: Der Funke zum Flächenbrand Verlag Klaus Wagenbach 112 S., br., 9,90 €

—————————

Christoph Bertram: Partner, nicht Gegner Für eine andere Iran-Politik 2008 Edition Körber-Stiftung 91 S, kartoniert ISBN 9783896841339 €[D]10,00


Das Jahr der Entscheidung

2013 könnte zum »Jahr der Entscheidung« im Streit um das iranische Atomprogramm werden. Sowohl Israels Ministerpräsident Netanjahu als auch US-Präsident Obama sind sich – trotz aller Meinungsverschiedenheiten über die Erfolgsaussichten weiterer Verhandlungen – darin weitgehend einig, dass Iran daran gehindert werden müsse, seine Nuklearaktivitäten weiter voran zutreiben.
Die beiden Beitäge von Michael Lüders und Knut Mellenthin befassen sich mit den politischen Rahmenbedingungen der USA und des Iran, unter denen die Verhandlungen in ihre wahrscheinlich letzte Runde gehen.


Michael Lüders
scheibt in seinem Beitag, die Regierung Obama verfolge eine Politik der „Quadratur des Kreises … Einerseits sendet sie Gesprächssignale aus, andererseits sind die gegen den Iran verhängten Sanktionen keineswegs darauf angelegt, Teheran zum Einlenken in der Atomfrage zu bewegen. Dafür sind sie viel zu weitreichend und umfassend – es sind die schärfsten Strafmaßnahmen, die je gegen ein Mitgliedsland der Vereinten Nationen verhängt worden sind. Vor diesem Hintergrund erscheint es unwahrscheinlich, dass der Atomkonflikt gelöst werden kann. Letzten Endes ist er ein Mittel zum Zweck, um den Iran politisch zu isolieren und wirtschaftlich in die Knie zu zwingen.“

Den ganzen Beitrag lesen


Knut Mellenthin
kommt in seinem Beitrag “Kaum noch Alternativen” zu dem Ergebnis: „Eine Politische Lösung des Atomstreits erscheint so gut wie unmöglich. (…) Die seit zwanzig Jahren allen sachlichen Erkenntnissen zum Trotz aufrechterhaltene Lüge, Iran stehe ganz kurz vorm Abschluß der Entwicklung eigener Nuklearwaffen, hat mittlerweile eine selbsterzeugte Dramatik und Eigendynamik angenommen.“ Die Situation lasse für die USA und ihre Verbündeten „außer Kapitulation der Regierung in Teheran und dem Zusammenbruch der iranischen Gesellschaft oder einem Krieg, der sich vermutlich über mehrere Jahre hinziehen würde, kaum noch eine Alternative zu.“

Den ganzen Beitrag lesen




IRAN IM FADENKREUZ

Iran-Karte



Der Anspruch auf Vorherrschaft über den Nahen- und Mittleren Osten und die Kontrolle über die iranischen Ölvorkommen bestimmt seit Jahrzehnten das Verhältnis des Westens zum Iran. Der Grund: Iran verfügt nach Saudi-Arabien und Russland über die größten Öl- und Gasreserven der Welt. Der Kampf um die profitable Ausbeutung der iranischen Ölquellen erreicht seinen ersten Höhepunkt bereits Anfang der 1950er Jahre mit dem CIA-Putsch gegen den demokratisch gewählten Ministerpräsidenten Mossadeqh, als er die Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie durchsetzen will.

Im Konfrontationskurs des Westens gegen den Iran geht es auch heute nicht um ein von Israel, den USA und den EU-Staaten behauptetes iranisches Atomwaffenprogramm, sondern um die dauerhafte Kontrolle über die Golfregion, in der die größten Öl- und Gasressourcen der Welt lagern.

Der US-Miitäraufmarsch am persische Golf, die zahlreichen US-Basen in Förderländern und entlang der Pipeline- und Tankerrouten unterstreichen diesen imperialen Vorherrschaftsanspruch der USA, der von den NATO- und EU-Verbündeten weitgehend unterstützt wird.

Golfregion



In den Ländern rund um den Persischen Golf und dasKaspische Meer lagern zwei Drittel der Weltölreserven und rund 50 % der Weltgasvoräte.

Die reichen und mächtigen Industriestaaten (G7) – allen voran die USA – versuchen mit politischen und wirtschaftlichen Druck und notfalls mit militärischer Gewalt, sich den Zugriff und die Kontrolle über die immer knapper werdenden Ressourcen zu sichern. Weltweit sind sie die größten Energieverschwender. Bei einem Anteil von nur 11 % der Weltbevölkerung verbrauchen sie 42 % der globalen Öl- und 39 % der Gasförderung.

Westliche Pipelineprojekte sollen unter Umgehung Russlands die großen Öl- und Gasvorkommen der Golf- und Kaspiregion nach Westen transportieren. Dazu gehören die im Jahr 2006 fertiggestellte Baku-Ceyhan-Pipiline (1) geplante Naqbucco-Gaspipiline (2) und die Turkmenistan-Afghanistan-Pakistan-Pipeline (3) Pipelineprojekte aus dem Iran, die über Pakistan und Indien nach China führen sollten wurden den USA bisher erfolgreich verhindert.